Über Mich

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Singen in der Kirche und der Schule

MEIN VATER FRANZ AMRHEIN

(DER LINK GEHT ZU SEINER HOMEPAGE)

1935 Geboren

als Sohn der Näherin Karolina und des Schreinergesellen Franz Amrhein in Aschaffenburg

Franz Amrhein ist am 10.10. 2012 in Frieden verstorben.

Im Gedenken an ihn bleibt seine Hompeage mit allen Inhalten weiter online.

MEINE MUTTER

Hellena Amrhein (geb.Hainbach)

 

 

 

 

Meine ersten nachhaltigen Eindrücke von singenden Stimmen bekam ich in einem Alter von 2-4 Jahren aus der Kirche. Mein Vater war Organist und ich durfte neben ihm auf der Orgelbank sitzen. Weder seine Hände und Füße noch  meinen ganzen Körper durfte ich bewegen, sondern ich musste still sitzen bleiben. Sogar das Singen musste ich mir verkneifen, denn sobald ich mitsang, schauten alle Leute her zu mir, weil ich offenbar etwas anderes sang, als im Gesangsbuch stand. Auch die Bewegung der Gläubigen beschränkte sich auf das Öffnen und Schließen des Mundes.  

 

 

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In der Schule begann jeder Schultag folgendermaßen: bei Eintritt der Lehrerin mussten wir aufspringen und in gerader Haltung stehen. Sie ging an das Harmonium, intonierte ein Lied, das wir sangen. Die äußere Bewegung bestand - neben der Bewegung der Stimm-Muskeln - im Aufstehen vor und Hinsetzen nach dem Singen. Die innere Bewegung bestand aus der Angst alles richtig zu singen. Darin erschöpfte sich auch der Musikunterricht in diesem Schuljahr. Das Singen in allen geschilderten Situationen war gekennzeichnet dadurch, dass es ohne Beteiligung des Körpers vor sich ging, ja die Bewegung unterdrückt werden musste. Auch innerliche Bewegtheit wurde nicht zugelassen, weil es den Gesamtklang des Klassen- bzw. Chorgesangs gestört hätte. Was diese Situationen angeht, kann ich mich nicht an ein besonderes Gefühl zu meiner Stimme erinnern. Ich habe halt funktioniert. 

 

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Kinderlieder & Musicals

Eine neue Art des Umgangs mit der Stimme erfuhr ich im Alter von etwa 10 Jahren durch die Lieder von Christiane und Frederik. Diese Lieder forderten geradezu zu vielfältigen Bewegungen heraus: der Inhalt (die Rübe, die herausgezogen wird; der Hase, der vor dem Jäger davonläuft usw.) wurde szenisch dargestellt, die Lieder wurden mit Klatschen, Stampfen, Patschen usw. rhythmisch begleitet oder mit Gesten und Gebärden ausgeschmückt. Text und Melodie ließen Freiheit für eigene Gestaltungen, forderten diese sogar heraus. Die Texte waren für uns leicht nachvollziehbar und handelten nicht nur vom Bauern, der das Rösslein einspannt, sondern bezogen sich auch auf unsere Realität (z.B. Schulalltag, Elternhaus, Ausländerproblematik, Arbeitswelt der Eltern und Kindergefühle). Durch ihren rhythmischen Pfiff wurde ich von diesen Liedern in ganz anderer Weise angesprochen als von den bisher gewohnten Liedern. Ich bekam ein neues Verhältnis zu meiner Stimme: die Freiheit der Bewegung und der rhythmischen Begleitung. Die innere Bewegtheit durch die ansprechenden Texte und Inhalte sowie die Erfahrung, dass das Singen nicht nur auf ein Belcanto-Ideal, sondern auf die eigenen Gefühle ausgerichtet ist. Dies führte zu einer ersten Identifikation mit meiner Stimme.  

 

Klassischer Gesangsunterricht, Sprechen & Logopädie

In meinem 23. Lebensjahr lernte ich in meinem ersten klassischen Gesangsunterricht eine neue Dimension meiner Stimme kennen. Zuerst musste ich lernen, mit der äußeren Bewegung innezuhalten. Es ging vor allem um Beherrschung und "Kanalisierung" der Stimme: Atemdosierung, Stütze, Vokal- und Registerausgleich, Ansatz, Artikulation, Phrasierung, Gesang nach Noten usw. Bei dieser Art des Singens lernte ich die äußere Bewegung immer mehr zu einer inneren umzuformen. Ich wurde mir meiner Stimme und ihrer Möglichkeiten bewusst, lernte die Grenzen des Stimmumfangs, des Atemvolumens, der Dynamik kennen und lernte ausdrucksvoll zu gestalten. Diese neuen Gesangstechniken ließen sich mit meinen bisherigen Stimmgewohnheiten nicht ohne weiteres vereinbaren. Das Gleichgewicht, in dem ich mich bisher mit meiner Stimme befand, wurde gestört,  ich wurde verunsichert und es dauerte mehrere Jahre, bis es mir gelang, alle die bisher gemachten Erfahrungen im Umgang mit meiner Stimme zu integrieren. Das 8-semestrige Gesangstudium bei Peter Doss hat zu dieser Integration ganz wesentlich beigetragen. 

 

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Rockmusik – On stage

Die Rockmusik bedeutete für mich zunächst die Vollkommenheit all der Ideale und Freiheiten, die ich an den Kinderliedern mochte. Die ersten stimmlichen Erfahrungen bestanden im lauthalsen Mitgrölen der einfachen Texte während sich mein Körper ekstatisch bewegte. Was die Ausdrucksmöglichkeiten und die Lautstärke betraf, gab es keine Grenzen bis auf die Stimmbänder, die mit Heiserkeit antworteten - wobei ein unkonventioneller Gesangslehrer wertvolle Hilfe leistete - um nicht nach 3 Songs bei der Heiserkeit angelangt zu sein. Wesentlich für die Identifikation mit der Stimme waren das Allmacht-Gefühl durch die Lautstärke, der Einbezug des ganzen Körpers sowie die Identifikation mit "Sound" und Inhalt des Gesungenen. Schnell entstand der Wunsch, durch eigene Produktionen die Identifikation zu verstärken.

Die "Freiheit", von der bisher die Rede war, erwies sich jedoch insofern als Sackgasse, als gerade die kommerzielle Rockmusik, unter deren Einfluss wir Jugendliche standen, von den musikalischen Ausdrucksmitteln eingeschränkt und unseren individuellen Ausdrucksbedürfnissen keinen Raum gab. Ich musste mich auf die Suche nach weiteren Möglichkeiten begeben. In dem zweijährigen Rockprojekt "Chrisbrei und die Orff-Beats" mit Salzburger Mitstudenten fand ich neue Möglichkeiten in einer Mischung von Rock, Afro, Jazz und Bewegung. 

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Experimenteller Gesang 

Schon in früher Kindheit wurde ich durch meinen Vater, der sich intensiv mit neuer Vokalmusik beschäftigte, zu vielerlei Experimenten, Klang-, Artikulations- und Sprechspielen angeregt. Der Spaß an "nonsemantischem" Singen und Sprechen  begleitete mich durch alle Stationen meiner Stimmerfahrung. In der Zusammenarbeit mit Klaus Arger ("11 und") und dem Ensemble Lopidre, mit Helmi Vent (Tischreden) sowie mit Werner Raditschnig (Kaponik) konnte ich an diese frühen Erfahrungen anknüpfen und in diesen Experimenten alle mir zur Verfügung stehenden "Techniken" integrieren. 

 

Obertongesang   

In meinem 19. Lebensjahr hörte ich zum ersten Mal Obertongesang, der mich sofort ansprach und verzauberte. Seitdem bemühe ich mich, die Obertontechnik (aus Indien und der Mongolei) und die Untertontechnik (aus Tibet)  immer besser zu erlernen. Als Obertonsänger,  Leiter des Salzburger Obertonchors "Prisma"  sowie als Leiter von Oberton-Workshops ist der Obertongesang  wesentlicher Teil meiner Arbeit als Musiker und Pädagoge. Der Obertongesang, der die feinsten unsichtbaren Bewegungsnuancen der Stimmorgane erfordert, bedeutet für mich die Spitze von innerer Bewegung und Bewegtheit.

 

Fazit 

Wir bewegen uns weg vom Stimme haben, in das Stimme SEIN. Dann gibt es keine Anstrengung mehr auf der Stimme. Wir können Stunden lang singen, sprechen – ja sogar schreien wäre möglich. Weil Körper, Stimme und Gefühl in Einklang sind. Wenn du das Gefühl hast, dass „es“ dich singt oder spricht – singst du nicht länger, sondern BIST du das Lied (oder das Wort). Mit diesem Buch wollen wir dich durch die verschiedenen Möglichkeiten der Stimme begleiten, in denen wir beide seit Jahrzehnten unterrichten und forschen. Im Bereich Stimme & Heilung, Herzkommunikation & Herzstimme, die Macht der Schwingung über Lied & Wort und die Stimme als Schlüssel in ein neues Sein. 

Christopher Amrhein